Palais Clam-Gallas: Einige notwendige Berichtigungen (08.06.15) [fr]

Palais Clam-Gallas: Einige notwendige Berichtigungen.
In einem Gastkommentar, der am 3. Juni in der Tageszeitung Die Presse veröffentlicht wurde, präsentiert Frau Dr. Karin Kneissl ihre Sicht der Beziehungen zwischen Frankreich und den Golfstaaten. Dabei kommt auch das Palais Clam Gallas vor. Zu diesem Punkt möchte in als Botschafter Frankreich in Österreich die dargestellte Sichtweise korrigieren.

Es wird über das Palais Clam Gallas gesagt, dass dort „seit 1951, auf Basis eines Vertrags mit Österreich, das Französische Kulturinstitut untergebracht ist“. Diese Behauptung ist doppelt falsch: die Einrichtung des französischen Kulturinstituts in Wien wurde aufgrund eines bilateralen Abkommens zwischen Frankreich und Österreich am 15. März 1947 beschlossen (also vier Jahre vor dem Kauf des Palais Clam Gallas!). Bis 1980 war das Institut im Palais Lobkowitz untergebracht. Erst dann zog es in das Palais Clam Gallas. Es wäre also ein Trugschluss zu glauben, dass die Präsenz des Kulturinstituts im Palais Clam Gallas an das bilaterale französisch-österreichische Abkommen geknüpft ist.

Wie ich bereits im Oktober letzten Jahres in einem Kommentar auf der Homepage der Botschaft informiert habe, ist der Verkauf des Palais Clam Gallas, der vor über einem Jahr von der französischen Regierung beschlossen wurde, Teil der notwendigen Anpassungen der französischen Auslandsimmobilien an die aktuellen und zukünftigen diplomatischen, konsularischen und kulturellen Bedürfnisse, und dies in Berücksichtigung der Interessen der französischen Steuerzahler. Frankreich ist nicht das einzige Land, das diese Politik betreibt. Alle europäischen Länder, ja sogar Kanada gehen so vor. So hat Österreich vor einigen Jahren sein Kulturinstitut in Paris verkauft. In Österreich führt die Kulturverbreitung nicht mehr über die kostspielige Aufrechterhaltung einer Prestigeadresse, sondern über Aktivitäten, die mehr und mehr in Form von Partnerschaften mit lokalen Akteuren, extra muros, umgesetzt werden; und zwar mit der bestmöglichen Wirkung, in Bereichen, in denen ein echter Mehrwert erzielt werden kann, und zwar zugunsten vor allem des österreichischen Publikums, im gesamten Bundesgebiet. Wien stellt hier keine Ausnahme dar; auch Amsterdam, Lissabon oder Stockholm argumentieren so. Das Institut Français d’Autriche bekommt neue Räumlichkeiten, bleibt bestehen und wird seine Aktivitäten fortführen.

Was die laufenden Verkaufsverhandlungen für das Palais Clam Gallas betreffen, so erinnern wir daran, dass, wie jedes Privatunternehmen, auch die französischen Behörden mit der Übergabe so lange nicht in die Öffentlichkeit treten, so lange diese nicht abgeschlossen ist. In den Fällen, in denen der französische Staat im Ausland angesiedelte Immobilien veräußert hat, sind die Käufer von unterschiedlichster Natur und Landeszugehörigkeit – es gilt allein das freie Marktgesetzt von Angebot und Nachfrage. Jegliche Interpretation oder Verallgemeinerung sind Fantasie Konstrukte.

Diejenigen, die die Alarmglocken für das Institut Français läuten, scheinen sich gegenüber rationellen Erklärungen zu verschließen. Sie interessieren sich mehr für die Form (die Örtlichkeit) als für den Inhalt (Kulturpolitik). Schade. Bewerten wir doch das Institut Français nach dem, was es tut und tun wird, und zwar bezüglich der drei Kriterien Mehrwert, Wirkung und Dauerhaftigkeit.

Pascal Teixeira da Silva

Dernière modification : 31/08/2015

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