Französische Kultur und französischer Unterricht bleiben Wien erhalten (15.10.14) [fr]

Französische Kultur und französischer Unterricht bleiben Wien erhalten.

Seit einiger Zeit wird viel über das Palais Clam Gallas gesprochen. Und so kommt es, dass sich so mancher Fragen über die Zukunft des Institut Français stellt, ja sogar über das Lycée Français. Aber keine Sorge: Es sind weder die französische Sprache oder Kultur, noch die französische Schule in Wien gefährdet.

Zuerst das Palais Clam Gallas. Erworben in den frühen 50er Jahren, in einem völlig anderen historischen Zusammenhang, beherbergt es seit 1981 das Institut Français. Viele Menschen hängen an ihm, was verständlich und lobenswert ist. Es ist aber eine Tatsache, dass dieses imposante Gebäude durch seine Größe und Beschaffenheit weder den Anforderungen der Kulturaktivitäten im Europa des 21. Jahrhunderts entspricht, noch unseren budgetären Möglichkeiten (die Kosten für Instandhaltung und Betriebskosten sind zu hoch).

Wien ist kein Einzelfall. Das französische Außenministerium hat begonnen, wie die gesamte französische Regierung, eine Politik der Rationalisierung französischer Immobilien im Ausland umzusetzen. Gebäude in denen Botschaften, Residenzen von Botschaftern oder Generalkonsuln, oder Kulturinstitute untergebracht waren, wurden erst kürzlich veräußert. Es geht dabei nicht darum, die Tätigkeiten aufzugeben, sondern unsere Einrichtungen angemessener und effizienter zu gestalten.

Der französische Außenminister hat also entschieden, das Palais Clam Gallas zu verkaufen. Es haben sich bereits mehrere Interessenten gemeldet. Die Verhandlungen sind im Laufen. Der zukünftige Käufer muss die lokalen Auflagen berücksichtigen, besonders was die Bewahrung der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie und der geschützten Grünflächen betrifft. Für das angrenzende Lycée Français ist dies umso wichtiger, als die Qualität seiner unmittelbaren Umgebung gewahrt werden muss.

Das Institut Français d‘Autriche bleibt erhalten. Es soll in einem anderen Gebäude, das zurzeit ausgemacht wird und unseren Bedürfnissen und dem Budget besser entsprechen soll, untergebracht werden. Die verschiedenen Betätigungsfelder des Institut (insbesondere die Sprachkurse) bleiben aufrecht, die Synergien werden verstärkt, aber die Umsetzung neu angepasst und ausgerichtet werden, um eine Steigerung des Mehrwerts zu erzielen, klarere Strukturen und mehr Effizienz. Die Kulturdiplomatie muss sich weiterentwickeln, nicht nur aus budgetären Gründen, aber auch und vor allem, weil die Kulturträger, die Tools und das Publikum sich ändern. Unter diesen Gegebenheiten kann sie ihre Legitimität behaupten, unter anderem vor dem französischen Steuerzahler, der sein Scherflein ohnehin dazu beitragen muss.

Das Lycée schlussendlich. Durch die geographische Lage und auch geschichtsbedingt neigt man dazu, sein Schicksal mit dem des Palais Clam Gallas in Verbindung zu bringen. Das ist unrichtig. Das Lycée, eine hochqualitative Ausbildungsstätte und wertvoller Bestandteil des Wiener Schulwesens, ist ein echter Trumpf, den es zu schützen und zu stärken gilt. Der Kauf des Palais Clam Gallas wird zwar den Verlust der einfachen Handhabung mancher Aktivitäten des Lycée nach sich ziehen. Deshalb wird das Lycée, gemeinsam mit dem Rektorat und dem französischen Staat, sein Gebäudekomplex vergrößern und renovieren: Bau eines neuen Gebäudes zur Unterbringung weiterer Klassenräume, Renovierung des Studio Molière, Ausbau eines Turnsaals im unteren Halbstock.

Es sind mehrere komplexe und einzelne, aber teilweise ineinander verwobene Vorhaben, für die man zum heutigen Zeitpunkt nur schwer einen genauen Kalender erstellen kann. Wir beabsichtigen, mit den Bauarbeiten im Lycée Français in den nächsten Wochen zu beginnen. Was die Umsiedlung des Institut Français betrifft, könnte dieser im Sommer 2015 vonstatten gehen.

Wie auch immer, werde ich mich bemühen, wie ich es seit meiner Amtsübernahme tue, den engen und ständigen Dialog mit den betroffenen Institutionen, mit den Personalvertretern des Lycée, sowie mit den Elternvertretern aufrecht zu erhalten.

Frankreich hat das Glück, als eines der wenigen Länder über ein weltweites Schul- und Kulturnetz zu verfügen. Ein Atout in unserer globalisierten Welt, in der die so genannte „soft power“ eine ebenso wichtige Rolle spielt, wie die Wirtschaft oder die Streitkräfte. Seine Aufrechterhaltung ist nur durch Anpassung möglich, denn die Welt ändert sich ständig. Ich rechne mit der Unterstützung aller, um diese Herausforderung anzunehmen.

Dernière modification : 08/01/2015

Seitenanfang