Discours de M. l’Ambassadeur pour le 200e anniversaire de la naissance de Louis Braille (24/09/09)

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

Sehr geehrter Herr Präsident des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes,

Sehr geehrte Mitwirkende des Bundesblinden-Erziehungsinstituts,

Sehr geehrte Gäste,

die ich die Freude und Ehre habe, in unserem Haus begrüßen zu dürfen.

Ganz besonders freut mich die Anwesenheit des Herrn Bundesminister Hundstorfer, von dem ich weiß, mit wie viel menschlichem Engagement er die sozialen Belange für Männer und Frauen verfolgt

Der Anlass ist ein feierlicher !

Louis Braille gehört der ganzen Welt ! Aber, ich bin stolz, dass er auch Frankreich gehört - was mir die Gelegenheit gibt, heute sein historisches Vermächtnis zu feiern.

Ich weiss, dass diesbezüglich eine Diskussionsrunde mit Ingrid Thurnher stattfinden wird, dennoch möchte ich ihn trotzdem kurz vorstellen.

Denn dieses Jahr begeht die Menschheit den 200sten Geburtstag des Erfinders der 6-Punkte Blindenschrift, die in Frankreich allgemein unter der Bezeichnung des taktilen Schriftsystems „le braille“ bekannt ist.

Wer war dieser Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift ? Er war ein hochbegabtes Kind, das das Pech hatte, nach einem Unfall blind zu werden, der aber durch seine Intelligenz et seine Stärke zu einem der Großen unserer Menschheit wurde. Er ist in dem kleinen französischen Dorf Coupvray, in der Region Brie, geboren. (Die Region befindet sich in der Nähe von Paris und hat Frankreich zu großem landwirtschaftlichen Reichtum verholfen).
Sie kennen die Geschichte bestimmt besser als ich, aber ich denke dass es wichtig ist, sie uns an seinem Geburtstag in Erinnerung zu rufen. Sein Vater war Sattler, und beim Spielen in seiner Werkstatt verletzte sich der 3-jährige Louis mit einem Werkzeug am Auge. Das Kind bekam durch das Kratzen an seiner Verletzung eine Infektion und verlor im Alter von 5 Jahren endgültig das Augenlicht. Seine Eltern, die gebildet waren, schickten ihn trotzdem in die Dorfschule. Er war ein sehr aufmerksamer Schüler, aber aufgrund seiner Behinderung konnte er nicht lesen und schreiben lernen.

1818 gelang es seinen Eltern, mit der Hilfe des Bürgermeisters im Ort, ihn in die Königliche Anstalt für blinde Jugendliche zu schicken, eine Schule, die von Valentin Haüy in Paris gegründet worden war. Er erwies sich dort als ausgezeichneter Schüler. Es gab zu dieser Zeit bereits ein von Blinden verwendetes Schriftsystem, die sogenannte „Nachtschrift“. Das war eine Art Relief-Stenographie, die von einem Offizier der napoleonischen Armee, Charles Barbier de la Serre, erfunden worden war, um die Übertragung der Befehle in der Nacht, und ohne Licht, zu ermöglichen, was natürlich den Einheiten, die dieses System benutzten, einen taktischen Vorsprung verschaffte.

Louis Braille war erst 10 Jahre alt, als er dieses System perfekt beherrschte, und er ging daran, es umgehend zu perfektionieren. Das System von Barbier war nur eine Übertragung von Lauten ; Braille wollte ein richtiges Alphabet daraus machen und es dann weiterentwickeln, wenn möglich, eine Übertragung von Zahlen und Musiknoten. Denn der Knabe war zudem auch – ich werde noch darauf zurückkommen – ein ausgezeichneter Musiker.
Ab 1825 war die Braille-Aufzeichnung bereits in den Grundzügen ausgearbeitet – und sein Erfinder war erst 16 Jahre alt ! Die königliche Anstalt für blinde Jugendliche begann zwei Jahre später mit Erfolg, sie anzuwenden und übernahm 1829 die Arbeiten von Louis Braille in einer offiziellen Publikation. Das „Braille-System“ war geboren !

Es bedurfte allerdings einiger Jahrzehnte, bis sich dieses System allgemein durchsetzte, zuerst in Frankreich, dann auf der ganzen Welt.

1878 wurde auf einem Kongress in Paris die Braille-Schrift offiziell zur internationalen Methode für den Unterricht in Blindenschulen erklärt.

Braille selbst konnte diese Entwicklung nicht mehr mitverfolgen. Nach seiner Zeit als Schüler an der Königlichen Anstalt für blinde Jugendliche wurde er dort Lehrer, und parallel dazu pflegte er seine musikalischen Talente. Er war ein ausgezeichneter Organist, dem eine glänzende Karriere beschieden war, und 1845 wurde er der erste Orgelspieler der neuen Kirche Saint-Vincent de Paul in Paris. Aber sein Gesundheitszustand war angeschlagen, und er starb 1852 im Alter von 42 Jahren an Tuberkulose.

100 Jahre nach Brailles Tod lud die französische Regierung Blinde aus allen Ländern der Erde nach Paris zu einer Gedenk- und Festwoche ein, wo der Erzbischof eine große Messe in der Kathedrale von Notre-Dame de Paris zelebrierte.

Der 200ste Geburtstag von Louis Braille wird dieses Jahr in vielen Ländern begangen.
In Frankreich fand im Juni ein internationaler Kongress statt, der der Problematik der Eingliederung Sehbehinderter in die Arbeitswelt gewidmet war.

Bei diesem Kongress haben die Teilnehmer, die sich in der Nähe des Geburtsortes von Louis Braille versammelt hatten, die « Charte de Coupvray » verabschiedet, die 10 grundsätzliche Bekenntnisse zur Anerkennung und Verbesserung der Lebensbedingungen von sehbehinderten Personen enthält.

Auch in Österreich huldigt man dem Erfinder Louis Braille, und es freut mich, hier in der französischen Botschaft in Österreich, einen Beitrag zu Ehren dieses bemerkenswerten Mannes leisten zu dürfen. Herr Präsident, Sie werden dazu noch sprechen und wir freuen uns sehr darauf.

Im Programm dieses Gedenkabends gibt es mindestens zwei Dinge, die Louis Braille – so glaube ich - berührt hätten. Ich denke hier natürlich an die musikalischen Einlagen, Klavier und Choralgesang, denn die Musik war, gemeinsam mit der Wissenschaft, die große Leidenschaft dieses Mannes. Aber ich denke auch an die « Lesung im Dunkeln », deren Bedeutung darin besteht, uns Sehende für eine Weile in dieselben Bedingungen zu versetzen wie die Nicht-Sehenden. Wie Valentin Haüy vor ihm, war Braille die Kommunikation mit der Welt der « Sehenden » von denen ihn eine grundsätzliche Erfahrung trennt, ein großes Anliegen.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Bundesminister, herzlich danken, dass Sie diese Gedenkveranstaltung mit Ihrer Anwesenheit beehren.
Mein Dank gilt auch Ihnen, meine werten Gäste, dass Sie so zahlreich erschienen sind, sowie all den Mitwirkenden und ganz besonders der so zahlreich mitwirkenden Jugend, den Schülern der Blindenschule, und natürlich dem österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverband, der dieses Programm zusammengestellt hat.

Ihnen allen einen informativen, interessanten, und, so hoffe ich, angenehmen Abend.

Dernière modification : 02/10/2009

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