Französische Literaturpreise 2014 (November 2014) [fr]

Wie jedes Jahr stehen im November in Frankreich traditionsgemäß alle Zeichen auf Literatur. Mit der Bekanntgabe der Gewinner der wichtigsten Literaturpreise wird kurz vor Weihnachten damit quasi die neue „Lesesaison“ eröffnet. Jeder Preis hat dabei seine eigene Geschichte und gibt Einblicke in die Vielfalt und Kreativität der französischsprachigen Literatur.

Die wichtigsten Werke erscheinen dann etwas später meist auch in deutscher Übersetzung.
- Prix de l’Académie Française
Der große Romanpreis der Académie Française wurde am 30. Oktober 2014 an Adrien Bosc und sein Werk Constellation (Editions Stock) vergeben. Darin macht sich der Autor auf die Spuren der teilweise berühmten Passagiere der 1947 auf den Azoren abgestürzten Air-France-Maschine Constellation. Darunter der Boxer Marcel Cerdan, der damals mit Edith Piaf liiert war.

Der Preis, der seit 1915 verliehen wird, ist einer der wichtigsten Auszeichnungen der Académie, auch wenn er nur mit 7500 Euro dotiert ist.

- Prix Goncourt
Der renommierte Literaturpreis Prix Goncourt wurde am 5. November 2014 an Lydie Salvayre für ihren Roman Pas pleurer (Nicht weinen) vergeben.
Der im Verlag Seuil erschiene Roman erzählt vom Spanischen Bürgerkrieg und der „unmöglichen“ Liebe zweier junger Menschen aus unterschiedlichen sozialen und politischen Milieus.

Der seit 1903 zu Ehren der Schriftstellerbrüder Edmond und Jules Goncourt vergebene Prix Goncourt ist einer der wichtigsten Literaturpreise Frankreichs. Er wird zusammen mit dem Prix Renaudot traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben. Die 9-köpfige Jury, bestehend aus Schriftstellern und Literaturkritikern, zeichnet dabei in jedem Jahr das beste Prosawerk in französischer Sprache aus.

Auch wenn das Preisgeld mit der Summe von 10 € eher symbolischen Charakter hat, so ist doch der Erfolg in den Buchläden im In- und Ausland meist garantiert. Im Schnitt verkauft sich das ausgezeichnete Werk 300.000 Mal.

Die Gewinner des Prix Goncourt wurden in den letzten 10 Jahren ausnahmslos in die deutsche Sprache übersetzt.

Chronologie der Preisträger des Prix Goncourt seit 1903

- Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten
Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde am 18. November 2014 an David Foenkinos für den Roman Charlotte (Éditions Gallimard) vergeben. Foenkinos zeichnet in seinem Roman das Leben der in der Nazizeit aus Berlin nach Frankreich geflohenen Malerin Charlotte Salomon nach, die hochschwanger in einem KZ umkam.

Der Goncourt-Literaturpreis der Gymnasiasten wurde 1988 von der FNAC zusammen mit dem Rektorat Rennes und unter der Schirmherrschaft der Académie Goncourt ins Leben gerufen. Der Preis gelangte seitdem zu hohem Ansehen. Die Jury, die den Preisträger aus etwa 12 Romanen der offiziellen Selektion der Académie Goncourt auswählt, besteht aus 15-18-jährigen Schülern unter der Aufsicht ihres Literaturlehrers.

Chronologie der Preisträger seit 1988

- Der Prix Renaudot
Der Prix Renaudot 2014 wurde am 6. November an den Schriftsteller David Foenkinos für das Werk Charlotte (Éditions Gallimard) verliehen, der für diesen Roman ebenfalls den diesjährigen Prix Goncourt des lycéens erhalten hatte. Foenkinos zeichnet in seinem Roman das Leben der in der Nazizeit aus Berlin nach Frankreich geflohenen Malerin Charlotte Salomon nach, die hochschwanger in einem KZ umkam.

Der Prix Renaudot wurde 1926 von Literaturkritikern komplementär zum Prix Goncourt ins Leben gerufen. Er erinnert an den Arzt, Philantropen und Herausgeber der ersten französischen Zeitung La Gazette Théophraste Renaudot. Der Preis wird zusammen mit dem Prix Goncourt traditionsgemäß am ersten Novembermontag im Restaurant Drouant in Paris vergeben.

Chronologie der Preisträger des Prix Renaudot seit 1926

- Prix Fémina
Der Prix Femina ging am 3. November 2014 an die Haitianerin Yanick Lahens für Bain de lune/Mondbad (Editions Sabine Wespierser). Die Autorin beschreibt dabei in einer Familiensaga über vier Generationen den Kampf der Menschen auf Haiti mit den Naturgewalten und der politischen Despotie. Ein Roman über den Konflikt zweier Familien, über Abstammung und Geschichte und über die Macht des Voudou-Glaubens.

Der 1904 unter Federführung der Gräfin Anna de Noailles von 22 Mitarbeitern des Magazins La vie heureuse (heute Fémina) geschaffene Prix Fémina wird von einer Jury aus 12 Frauen unter dem Vorsitz von Régine Desforges vergeben. Dieser nicht dotierte Preis ist mit 100.000 bis 250.000 verkauften Exemplaren meist ein Kassenschlager. Er wird am ersten Novembermittwoch - also einige Tage vor dem Prix Goncourt - im Pariser Hôtel Crillon vergeben. Sein Ziel ist es, ein Gegengewicht zu diesem zu bilden, da dessen Jury ursprünglich weibliche Literaten weder fördern, noch auszeichnen wollte.

Chronologie der Preisträger seit 1904

- Prix Médicis
Der Prix Médicis 2014 ging am 4. November an Antoine Volodine für seinen Roman Terminus radieux. Der bei den Editions du Seuil erschienene apokalyptische Science-Fiction-Roman schildert nach dem Zusammenbruch einer zweiten Sowjetunion und umweltbedingten nuklearen Verwüstungen den Kampf zwischen den Verteidigern eines kollektivistischen Systems und den nihilistischen Vertretern einer globalen ultraliberalen Weltordnung.

Die Begründer des 1958 geschaffenen Prix Médicis, Gala Barbisan und Jean-Paul Giraudoux, wollten mit dieser Auszeichnung einen „etwas anderen Literaturpreis“ schaffen. Der Prix Médicis zeichnet in seinen drei Kategorien (französischer bzw. ausländischer Roman/Bericht sowie Essay) vielversprechende junge Autoren mit einer neuen Ton- und Stilart aus. Der Ausland-Médicis wird seit 1970 und der Essay-Médicis seit 1985 vergeben. Die Jury gibt die Preisträger zusammen mit der Jury des Prix Fémina am ersten Novembermittwoch im Pariser Hôtel Crillon bekannt.

Chronologie der Preisträger seit 1958

- Prix interallié
Den Prix interalliés erhielt am 20. November.2014 der Schriftsteller Mathias Menegoz für seinen ersten Roman Karpathia. Der Autor zeichnet dabei ein freskenhaftes Gemälde der ungarisch-walachisch-deutschen Kulturen im habsburgischen Transsylvanien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein ungarischer Leutnant und seine österreichische Frau werden dort nach der Übernahme eines Gutes mit einer oft noch mittelalterlichen Welt konfrontiert, die ungewöhnliche Methoden erfordert.

Die Idee für den Prix interallié wurde 1930 im illustren Privatclub des Cercle de l’Union interalliée in der Nr. 33 der rue du Faubourg-Saint-Honoré in Paris geboren, als eine Reihe von Journalisten auf die Ergebnisse der Beratungen der Frauen-Jury zum Prix Femina wartete. Die Idee war so gut, dass der Preis bis heute ohne jegliches Preisgeld auskommt. Er wird im Restaurant Lasserre an der av. Franklin Roosevelt vergeben.

Mehr Infos
- Datenbank Literaturpreise und der Preisträger in Frankreich

Dernière modification : 12/12/2014

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