Das Botschaftsgebäude [fr]

Die französische Botschaft in Wien ist die einzige diplomatische Vertretung der Welt im Stil des „Art Nouveau“, der als eine Huldigung an die Moderne, wie der Wiener Jugendstil, und als Symbol für die Macht und Größe Frankreichs während der III. Republik, sowie als Zeichen der Wertschätzung der österreichisch-ungarischen Monarchie errichtet wurde.


Geschichte der Botschaft

Im Jahre 1901 wurde der junge, angesehene und erfolgreiche Architekt Georges-Paul Chedanne, Preisträger des „Grand Prix de Rome“, seitens des Außenministeriums in Paris mit Konzeption und Bau der Botschaft beauftragt. Seine Pläne nehmen strikt Bezug auf die Dreiecksform des Grundstücks am Schwarzenbergplatz als geplantem Standort und somit ist eindeutig belegt, dass diese Entwürfe speziell für Wien erstellt wurden – und nicht für die Botschaft in Istanbul, wie es eine hartnäckig kursierende Legende glauben machen will [Mehr].

Chedanne umgab sich mit den hervorragendsten Künstlern seiner Epoche : Gasq, Sicard, Lefebvre, Binet, Dubois, Vernon, Majorelle … Letzterer genoss infolge der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 internationale Anerkennung. Er betraute die Werkstätten der Ecole de Nancy mit dem Bau der prachtvoll gewundenen großen Treppe und der Wandbeleuchtung, der mit Feingold verzierten Balkone und der Wandvertäfelungen der Innenräume. Die Lampen und Luster stammen aus den Häusern Gagneau und Daum, die großen Spiegel von Saint-Gobain. Der Pariser Innenarchitekt Tony Selmersheim wurde mit der Gestaltung der Inneneinrichtung beauftragt. Die Wiener Firma Freissler&Füglister fertigten den Aufzug – im „Modern Style“ mit Kristallglas und geschnitzter Mahagoni-Austäfelung. Einige Schmiedeeisenarbeiten wurden vom österreichischen Unternehmen Valerian Gillar nach französischen Skizzen gefertigt. Die Ausstattung der Botschaft mit erlesenen klassischen Stücken – wie etwa die Wandteppiche aus der Gobelin-Manufaktur – wurde zum Teil vom nationalen Mobilienarchiv, vom Musée d’Orsay und vom nationalen Fonds für zeitgenössische Kunst bereitgestellt. Zahlreiche Gegenstände wurden von den renommiertesten Künstlern und Kunsthandwerkern Frankreichs speziell für diese Botschaft entworfen und gestaltet – etwa zum Teil das Tafelgeschirr, die Vasen und die Ziergegenstände aus der Sèvres-Manufaktur.

Die Genehmigung der Entwürfe erfolgte 1904 – mit dem Anbruch eines Jahrhunderts der Ungewissheiten. Ein damaliger Botschafter konnte der neuen Botschaft nur wenig abgewinnen, im Gegenteil, er verurteilte den zweifelhaften Geschmack und den fehlenden Einklang mit dem Stil des Hauses Habsburg, die Vervollkommnung des Interieurs lag ihm fern. Im Laufe des Ersten Weltkrieges verstummten die Polemiken erst recht nicht: Nach Kriegsende wurde gar der Verkauf des mittlerweile in seinen Dimensionen als unproportioniert befundenen Gebäudes in Betracht gezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, die in der Folge durchgeführten Umbauarbeiten innerhalb des schon durch Bombenangriffe in Mitleidenschaft gezogenen Gebäudes gerieten nicht unbedingt zu den vorteilhaftesten – nicht nur, dass die prächtige Ornamentik massiv zerstört wurde, wandelte man große Empfangsräume auch zum Teil in Büros um. Die Arabesken entsprachen nicht mehr dem damaligen Geschmack.

Heute richtet man das Hauptaugenmerk auf die Bewahrung des Dekors und der Kunstgegenstände. Wesentliche Restaurierungsarbeiten wurden während der letzten zwei Jahrzehnte durchgeführt. So wurden etwa die zwölf Gemälde von André Devambez erst 80 Jahre später aufkaschiert! Die 1910 als Auftragsarbeit gemalte Bilderserie war damals als skandalös unpassend für eine Botschaft empfunden und wurden 1912 an Frankreich zurückgeschickt. Dieses elegante Gebäude als außergewöhnliches Zeugnis des französischen „Art Nouveau“ zu erhalten ist ein besonderes Anliegen der französischen Botschaft in Wien und der speziell zur Pflege des Kulturerbes eingerichteten Abteilungen des Außenministeriums.

Virtueller Rundgang

Besichtigungen

Die Botschaft öffnet regelmässig ihre Pforten. Auf Anfrage können Gruppen in den Genuss einer Besichtigung kommen (Grösse der Gruppen: zwischen 10 bis maximal 30 Personen).
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Dernière modification : 22/07/2014

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