Olivier Py, einer der brillantesten Autoren und Regisseure seiner Generation, zeichnet verantwortlich für die Hamlet Inszenierung am Theater an der Wien. Für die Aufführung dieser Oper in fünf Akten von Ambroise Thomas (1868) findet er seinen Mitstreiter, den Dirigenten Marc Minkowsky wieder. Der französische Bariton Stéphane Degout singt den Hamlet an der Seite von Christine Schäfer (Ophélie).
Oliver Py ist auch Autor und Theaterdirektor. Er leitete das Pariser Odeontheater (2007 – 2012) und wird 2013 die Direktion des Festivals von Avignon übernehmen. Seine letzten Werke tragen die Titel Le Soleil und Adagio (2011).
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Frage: Nach dem Theater, die Oper?
O. Py: Ich habe mich die letzten fünfzehn Jahre abwechselnd immer mit beiden beschäftigt. Die Oper erlaubt es mir, international wirksam zu sein. Hamlet, das ist „große Oper“, was in Frankreich einen schlechten Ruf mit sich zieht. Das muß man wieder gutmachen, die Oper neu erfinden. Ambroise Thomas gibt dem Sheakspeare-Stoff etwas Zeitloses. Die Epoche des französischen Zweiten Empire, Entstehungszeit der Oper, ähnelt unserer Zeit, einer Zeit der politischen Wirren. In dieser Hamletversion ist die Figur des „Spectre“ als Erzähler der Wirrnisse sehr präsent. Die Musik von Ambroise Thomas ist nicht kompliziert. Das ist kein Wagner oder Berlioz (ebenfalls von Olivier Py inszeniert, Anm. d. Redaktion). Es ist eine Musik, die berührt, sehr sinnlich ist. Stéphane Degout ist Bariton, was gut ist. So wirkt der Hamlet nicht heroisch sondern eher verwirrt, in Not geraten.
O. Py: Das Theater hat eine magische Kraft, obwohl alles so einfach erscheint, so archaisch, so übt es doch eine fantastische Macht aus. Man kann von einer Vorstellung völlig verzaubert werden. Jedenfalls war es bei mir so. Kulturelle Unterschiede
Frage: Ist die Inszenierung in Wien dieselbe wie in Paris?
O. Py: Ich bleibe stets der Gleiche, auch wenn mir die Unterschiede der kulturell bedingten Gewohnheiten des französisch- bzw. deutschsprachigen Theaters bewußt sind. Die französische Inszenierung rückt den Text in den Vordergrund da, wo die deutschsprachige Tradition dem Regisseur eine zentrale Rolle einräumt und ihn zum Gestalter macht. Ich bin aber gar nicht repräsentativ.
Frage: Sie arbeiten wieder mit dem Dirigenten Marc Minkowski zusammen (Pelléas und Mélisande, Romeo und Julia, Die Hugenotten)…
O.Py: Das ist bereits das fünfte Stück, das wir gemeinsam bearbeiten. Wir haben lange vorher begonnen, über das Projekt zu sprechen, um einen gemeinsamen Blick darauf zu entwickeln. Hamlet ist theatertechnisch eine Herausforderung. Bei uns kommt es zu einer echten Zusammenarbeit zwischen dem Dirigenten, der das Theater liebt und dem Regisseur, der die Musik liebt.
Moderation: Jean-Claude Crespy (Kulturattaché)
Übersetzung: Jürgen Strasser
