Qualifizierungsoffensive: Frankreich reformiert berufliche Weiterbildung (06.03.14) [fr]

Die französische Nationalversammlung hat am 27. Februar 2014 das Gesetz über die Reform der Aus- und Weiterbildung (Loi sur la formation professionnelle, l’emploi et la démocratie sociale) beschlossen, das auf der Umsetzung einer Vereinbarung von Arbeitgebern und Gewerkschaften vom 14. Dezember 2013 beruht. Nach den Gesetzen zum Generationenvertrag und zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ist dieses ein weiterer wichtiger Schritt bei der Umgestaltung des Arbeitsmarktes, der auf der Grundlage des Dialogs der Sozialpartner erreicht wurde.

Die verabschiedete Reform erkennt der Qualifizierung der Beschäftigten einen zentralen Stellenwert zu, vereinfacht die Finanzierung der Maßnahmen und führt zu einem kostensparenderen Mitteleinsatz.

Die Reform umfasst in der Hauptsache folgende Punkte:

- Das Persönliche Weiterbildungskonto (CPF)

Jeder Arbeitnehmer bekommt ab dem 1. Januar 2015 das Anrecht auf eine qualifizierende Weiterbildung, die ihm bessere Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs bieten soll. Die bisherige Regelung zur Weiterbildung (Individueller Weiterbildungsanspruch DIF – Droit individuel á la formation) wird durch die Einführung von sogenannten Persönlichen Weiterbildungskonten (CPF – Compte personnel de formation) abgelöst, die nicht mehr an den Arbeitsvertrag gebunden sind. Im Unterschied zu der Vorgängerregelung, bei der der Arbeitnehmer über einen Zeitraum von 6 Jahren das Recht auf 120 Stunden Fortbildung ansammeln konnte, erhöht das CPF den Anspruch auf 150 Stunden in 7 Jahren und läuft auch in Zeiten von Arbeitslosigkeit weiter. Dieser Anspruch ist dabei aber nicht mehr zeitlich begrenzt, sondern kann ab dem Alter von 16 Jahren über das gesamte Berufsleben mitgenommen werden.

- Ausweitung der allgemeinen Fortbildungsangebote

Die Fortbildungsangebote für Arbeitssuchende und Geringqualifizierte werden ausgeweitet. Ein Hauptaugenmerk gilt dabei Geringqualifizierten in Kleinbetrieben. Hierfür werden 900 Millionen € (statt bisher 600 Millionen €) bereitgestellt.

- Finanzierung der beruflichen Fortbildung

Die Finanzierung der beruflichen Fortbildung wird vereinfacht. In Zukunft werden die Unternehmen pauschal nur noch einen Betrag von 1 % der Lohnsumme und Unternehmen mit weniger als 10 Angestellten von 0,55 % abführen.

- Finanzierung der Lehrlingsausbildung

Im Vorgriff auf die Reform hatte die Nationalversammlung schon am 6. Dezember 2013 im Sinne einer klareren Identifizierbarkeit die bisherige Ausbildungsabgabe (taxe d’apprentissage) und die Abgabe zum Ausbau der Lehre (Contribution de développement de l’apprentissage) zu einer Abgabe in Höhe von 0,68 % der Lohnsumme verschmolzen

Zur Erreichung des Zieles, jährlich 500 000 Lehrlinge auszubilden (aktuell etwa 430 000) werden die Richtlinien angepasst und die Verwendung der Ausbildungsabgabe wird zielgenauer ausgerichtet. Aus diesem Grund wird ein Teil der Finanzmittel zur Finanzierung der Ausbildung direkt den Regionen unterstellt.

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gouvernement.fr

Dernière modification : 01/04/2014

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